Da ich ja, wie eher schon erwähnt, die Dinge des Lebens gern über Eigeninteressen betrachte, möchte ich heut meine Gedanken dahingehend erweitern, zwischen zwei oder mehr Eigeninteressen eine gemeinsame Schnittmenge zu finden.
Als Szenario soll ein Einstellungsgespräch dienen, mit der üblichen Frage der Gehaltsvorstellung. Zuerst scheinen die Eigeninteressen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gegensätzlich. Der klischeehafte Arbeitnehmer möchte wenig arbeiten aber viel Geld dafür bekommen. Der klischeehafte Arbeitgeber möchte viel Leistung vom Arbeitnehmer aber dafür wenig Geld bezahlen. Wie einigt man sich nun, ohne, dass die Verhandlung in einem argumentlosen Kräftemessen endet?
Meiner Ansicht nach zahlt ein Arbeitgeber mir als Arbeitnehmer jeden Betrag als Gehalt, den ich will - vorausgesetzt, er macht durch meine Anstellung mehr Gewinn als er mir bezahlen muss. Salopp gesagt: wenn ich als Bäcker 1 mio Gehalt verlange, bezahlt mir das mein Arbeitgeber, solange ich ihm beispielsweise 2 mio Umsatz verschaffe. Nach Abzug meines Gehalts wären das für den Arbeitgeber 1 mio Reingewinn durch meine Anstellung. So lassen sich eventuell auch die immensen Gehälter der Topmanager erklären.
Ziel soll es also sein, dem Arbeitgeber die eigene Nützlichkeit zu vermitteln und welchen Nutzen es bringt, mir ein höheres Gehalt zu zahlen.
Ich möchte viel (im Sinne von effektiv und innovativ) arbeiten, weil das zu meiner Selbstverwirklichung gehört und dafür möchte ich gut bezahlt werden. Gute Bezahlung vermittelt mir den Eindruck von Wertschätzung, was mich sehr motiviert. Wertschätzung ist für mich ein Bindungsgrund und eine Hauptursache für Loyalität zum Unternehmen. Gute Bezahlung erhöht also meine Effektivität und Nützlichkeit. Gute Bezahlung verringert zudem die Wahrscheinlichkeit, dass ein Konkurrenzunternehmen mich abwerben kann.
Durch diese Argumentation können die Anfangs widersprüchlichen Vorstellungen verschmelzen.