Mittwoch, 2. Februar 2011

Eigeninteressen verschmelzen lassen - die Gehaltsverhandlung

Da ich ja, wie eher schon erwähnt, die Dinge des Lebens gern über Eigeninteressen betrachte, möchte ich heut meine Gedanken dahingehend erweitern, zwischen zwei oder mehr Eigeninteressen eine gemeinsame Schnittmenge zu finden.
Als Szenario soll ein Einstellungsgespräch dienen, mit der üblichen Frage der Gehaltsvorstellung. Zuerst scheinen die Eigeninteressen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gegensätzlich. Der klischeehafte Arbeitnehmer möchte wenig arbeiten aber viel Geld dafür bekommen. Der klischeehafte Arbeitgeber möchte viel Leistung vom Arbeitnehmer aber dafür wenig Geld bezahlen. Wie einigt man sich nun, ohne, dass die Verhandlung in einem argumentlosen Kräftemessen endet?
Meiner Ansicht nach zahlt ein Arbeitgeber mir als Arbeitnehmer jeden Betrag als Gehalt, den ich will - vorausgesetzt, er macht durch meine Anstellung mehr Gewinn als er mir bezahlen muss. Salopp gesagt: wenn ich als Bäcker 1 mio Gehalt verlange, bezahlt mir das mein Arbeitgeber, solange ich ihm beispielsweise 2 mio Umsatz verschaffe. Nach Abzug meines Gehalts wären das für den Arbeitgeber 1 mio Reingewinn durch meine Anstellung. So lassen sich eventuell auch die immensen Gehälter der Topmanager erklären.

Ziel soll es also sein, dem Arbeitgeber die eigene Nützlichkeit zu vermitteln und welchen Nutzen es bringt, mir ein höheres Gehalt zu zahlen.
Ich möchte viel (im Sinne von effektiv und innovativ) arbeiten, weil das zu meiner Selbstverwirklichung gehört und dafür möchte ich gut bezahlt werden. Gute Bezahlung vermittelt mir den Eindruck von Wertschätzung, was mich sehr motiviert. Wertschätzung ist für mich ein Bindungsgrund und eine Hauptursache für Loyalität zum Unternehmen. Gute Bezahlung erhöht also meine Effektivität und Nützlichkeit. Gute Bezahlung verringert zudem die Wahrscheinlichkeit, dass ein Konkurrenzunternehmen mich abwerben kann.

Durch diese Argumentation können die Anfangs widersprüchlichen Vorstellungen verschmelzen.

Freitag, 21. Januar 2011

Fabelhafte Volkswirtschaftslehre

Warum die Amsel kein beheiztes Haus hat und im Dreck nach Nahrung sucht:

Nach Adam Smith ist die Quelle des Produktivitätszuwachses die Arbeitsteilung und der Kapitaleinsatz. Warum hat die Amsel also kein beheiztes Haus? Naja, welche Amsel hätte denn Zeit, so etwas zu erfinden und zu bauen? Jede Amsel ist ja den ganzen Tag damit beschäftigt, Subsistenzarbeit zu leisten. Arbeit also, die ihrem Selbsterhalt dient. So suchen sie den ganzen Tag lang Futter, jede Amsel für sich (Nachwuchs füttern mal ausgenommen) und haben dadurch keine Zeit für andere Dinge.
Nach Adam Smith wäre die Lösung die Arbeitsteilung: eine Amsel sucht Nahrung für zwei, damit die andere Amsel Zeit hat, Häuser zu bauen. Um ein Haus zu erwerben, bezahlt sie die hausbauende Amsel mit Futter - eine Tauschwirtschaft entsteht. Zwei Amseln wohnen jetzt in einem schönen Haus und nur noch eine Amsel sucht im Dreck - super, oder?!

Jetzt versuchen wir noch, die Produktivität durch noch mehr Arbeitsteilung zu steigern:
Eine dritte Amsel kommt und verbuddelt Obst im Boden, was mehr leckere Würmchen anlockt. Sie macht dies halbtags und die andere Hälfte des Tages hilft sie der futtersuchenden Amsel und "erntet" das Futter. Beide erwirtschaften so viel mehr, als sie selbst zum fressen brauchen und auch, als die hausbauende Amsel braucht. Dadurch entschließt sich eine vierte Amsel, Heizungen zu erfinden und zu bauen. Sie hat Zeit dafür, denn sie wird ja mit Futter versorgt, ohne dass sie es selbst suchen muss.

Eine Amselkultur entsteht, wo Amseln in beheizten Häusern wohnen und nur noch wenige von ihnen im Dreck nach Nahrung suchen. :)


Foto: Könnte durch Arbeitsteilung ein viel schöneres Leben haben: Amsel.

Montag, 10. Januar 2011

der perfekte weite Wurf

Aufgrund der ungebrochen hohen (inneren) Nachfrage nutze ich meine Lernmittagspause und schreibe endlich mal etwas darüber, wie man Steine möglichst weit werfen kann.
Alles fing früh in meiner Kindheit an, wo sich nicht zuletzt im Sportunterricht mein zweifelhaftes Talent feststellen lies, kleinere Objekte mit meinem rechten Arm (genau genommen: ganzem Körper) zu beschleunigen. So kam es, dass ich beim Schlagballweitwurf in der 6. Klasse einen Schulrekord aufstellte und in der Turnhalle nicht mehr mitwerfen durfte, da ich an die gegenüberliegende Wand warf wo ich unschöne Spuren hinterließ. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass zum Weitwerfen das rechtzeitige Loslassen gehört. Mein peinlichstes Erlebnis war, als mir der Ball bei einer Leistungskontrolle aus der  Hand rutschte und 1 m HINTER mir zum liegen kam.
Viel angenehmer zu werfen als die Schlagbälle sind aber Steine. Scheibenförmig müssen sie sein oder oval und eben gut in der Hand liegen. Zum perfekten Steinweitwurf braucht man nur 3 Finger. Am wichtigsten ist hierbei der Zeigefinger, der den Stein von oben umschließt. Er gibt ihm beim Abwurf eine stabilisierende Flugbahn durch die Rotation und das Strecken des Zeigefingers beschleunigt den Stein zusätzlich. Hier liegt auch das Geheimnis der Wurfweite: möglichst viele Körperteile in den Wurf mit einbeziehen, um somit den Beschleunigungsweg zu verlängern. Braucht man die Füße zum weit Werfen? Ganz klar: ja! Die Knie auch? Na logo! Drei Schritte Anlauf braucht es schon, um den Körper ein- und zum Wurf wieder explosiv auszudrehen. Um es bildhaft zu illustrieren: sagen wir, eine Pistolenkugel verlässt den Lauf mit 1000 km/h. Stellen wir uns jetzt vor, der Schütze rennt in einem fahrenden Zug (200 km/h) in Fahrtrichtung (mit 20 km/h). Somit summieren sich die Geschwindigkeiten der Kugel auf 1220 km/h auf. Wieder aufs Werfen zurückgeführt kommt die meiste Kraft sicher durch den Arm. Der Arm besteht aber schon aus vielen kleinen Gelenken, die Weg verrichten und somit Geschwindigkeit bringen. Zeigefinger, Handgelenk, Ellbogen, Schulter. Dann dreht sich der Rumpf mit ein (und aus) und beschleunigt dadurch den gesamten Arm und die Beinarbeit macht das Übrige.
Das Resultat ist eine fließende Bewegung und ein für mich wahnsinnig schönes Gefühl, dem Stein hinterher zu schauen, wie er fliegt. Ich erinner mich, am Gardasee bei Sonnenuntergang Steine ins Wasser geworfen zu haben - ein Traum! Und ja, es ist mir durchaus bewusst, wie verrückt das gerade klingt aber wer schon mal mit mir zusammen Steine geworfen hat, wird mich ein klein wenig verstehen. :)



Bild: Sommer 2007 in Dresden an der Elbe.

Freitag, 7. Januar 2011

ein kleines Gefühl von Armut

Meine EC-Karte war kaputt. Zum zweiten Mal in zwei Monaten! Der Magnetstreifen hatte mal wieder den Geist aufgegeben und hier in Chemnitz kam ich an mein Berliner Sparkassen-Konto nicht ran. So stand ich also vorgestern an der Zenti und wollte mir, hungergetrieben, ein halbes Hühnchen kaufen. Fünf Euro hatte ich noch bei mir und das musste ausreichen, bis die neu beantragte Geldkarte per Post bei mir ankommt. "Mit Brötchen oder ohne?" fragte mich der Verkäufer, als er das leckere Halbtier einpackte - da ratterte es in meinem Kopf: Kostet das Brötchen extra oder ist es im Preis einbegriffen? Ich muss mit den übrigen 2.50 € vielleicht noch ein paar Tage hinkommen. Soll ich wirklich Geld für ein trockenes Brötchen ausgeben?? Arm kam ich mir vor und ein wenig traurig blickte ich auf die angebotenen Brötchen, von denen ich mir keins kaufen "durfte".
Gestern kam dann die lang ersehnte Geldkarte und es war ein wirklich gutes Gefühl, wieder über Bargeld zu verfügen. Dinge, die man sonst kaum zu schätzen weiß. Heute kauf' ich mir gleich mal ein Brötchen!

Montag, 27. Dezember 2010

Weihnachten zuhause

Die Studentenbude ist eher spärlich eingerichtet, auch wenn ich mir Mühe gegeben habe, es mir gemütlich zu machen. Es ist eine WG, was bedeutet, dass es nicht wirklich meins ist - nicht mein Zuhause. Es ist eben für die Studienzeit eine Bleibe, in der ich halbwegs gern meine Zeit verbringe.
Weihnachten heißt es dann: "driving home for Christmas" und auch wenn Berlin für mich mit Heimat verbunden ist, sind es doch nicht nur die positiven Gefühle, die man damit verbinden sollte.
Als Kind war es so einfach und zentral. Die Eltern waren noch zusammen und mein Bruder war auch da. Jeder hatte sein Zimmer und das Wohnzimmer war festlich geschmückt. Alles war warm und vertraut - zuhause eben. Heut haben Mom und Dad neue Partner. Die vertraute Wohnung hat eine andere Handschrift und mein Zimmer ist ein unpersönliches Gästezimmer geworden. Weihnachten ist jetzt eher stressig und es sind mittlerweile 4-5 Stationen, die ich "abklappern" muss, um jeden der Familie besucht zu haben. Überall bin ich dann zu Gast und das so bekannte Weihnachtsgefühl mag nicht richtig aufkommen. Nach einer Weile wurde mir bewusst, was mir fehlt. Es war eben das Gefühl, zuhause zu sein. Da zu sein - angekommen eben. So wie ich es von damals kenne wird es in Berlin sicher nie mehr sein und es wird auch sicher noch einige Zeit dauern, bis ich ein eigenes Zuhause habe. An einem fremden Ort in einer fremden Stadt. Was macht eine Bleibe eigentlich zum Zuhause? Wenn es soweit ist, werde ich es wissen.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Womit man alle sozialen Prozesse erklären kann

Ja ja, als "alter Psychologe" und "oller BWLer" zerbricht man sich über ungewöhnliche Dinge den Kopf. Jetzt eben darüber, womit man sämtliche sozialen Prozesse erklären kann. Entlassungen in Firma X? Wahlbetrug? Tierschutz? Was liegt dem zugrunde?

Meine Antwort ist: die Interessen des einzelnen Akteurs.

Selbst wenn in einem riesigen Unternehmen 1000 Mitarbeiter entlassen werden, ist dies nicht die Entscheidung des Unternehmens. Das Unternehmen im Sinne von der Marke unter der man sie kennt, ist keine Person. Das Unternehmen trifft keine Entscheidungen, das tun einzelne Personen. Wenn Mitarbeiter entlassen werden dann geschieht dies, weil dies aus Interesse von Einzelpersonen herrührt. Manager X hat als Arbeitsauftrag, nach Einsparungsmöglichkeiten zu suchen. Es ist sein Interesse, dies zu tun und er will dies erfolgreich tun, weil sein Ansehen, seine Leistung an diesem Prozess gemessen wird. Seine individuellen Interessen im Unternehmen überschneiden sich teilweise mit denen des Manager Y, dessen Arbeitsauftrag die Gewinnmaximierung ist. Mehr Gewinn durch weniger Personalkosten klingt auch für ihn super! So arbeiten verschiedene Menschen zusammen in einem scheinbaren gemeinsamen Interesse. An für sich verfolgt aber jeder Akteur sein Einzelinteresse.
So funktioniert nach meiner momentanen Einsicht  die ganze soziale Welt. Gemeinschaftsinteressen sind Überschneidungen von egoistischen Einzelinteressen. Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht (ob nun monetärer oder sonstiger Natur) und arbeitet genau dann mit anderen zusammen, wenn es sich individuell lohnt.
Wird Angestellter B zu unliebsamer Gruppenarbeit gezwungen, mit Mitarbeiter A, dann macht er das nicht, weil er etwas für die Firma tun will, sondern für sich - er braucht das Geld.
Dies klingt alles sehr pessimistisch und vermittelt ein negatives Menschenbild. Wer kennt die Sprüche nicht: "Wir sind eine große Familie im Betrieb! Wir arbeiten alle zusammen!"?
Wer würde aber zur Arbeit gehen, wenn er dafür kein Geld kriegen würde? Das Eigeninteresse "Lebensunterhaltssicherung" wäre damit nicht erfüllbar und die Interessen der anderen egal.

Dienstag, 30. November 2010

Wann ist ein Freund ein Freund?

Der Wechsel des Studiengangs hatte bei mir tiefgreifende Veränderungen nach sich gezogen. Nüchtern betrachtet fand ein kompletter Austausch der Kommilitonen statt - aus ca 80 vertrauten Gesichtern wurden ca 80 unbekannte. Dass man sich im Alltag nun nicht mehr über den Weg läuft, war für mich kein Grund, Freundschaften (oder wie ich sie jetzt nenne: Bekanntschaften) einschlafen zu lassen. Über ein anfängliches Interesse, wie mein neuer Studiengang denn wäre und wie es mir dabei ginge, kam sonst nichts weiter in meine Richtung. Rückblickend stellt sich mir nun die Frage, ob der gemeinsame Studiengang wirklich die einzige Schnittmenge zu bisherigen Freunden war, wenn sich jetzt nach dem Wechsel keiner mehr so richtig meldet. Und ja, ich hab mich gemeldet - jedenfalls ist das meine Sicht der Dinge. Freundschaft sollte immer ein Geben und Nehmen sein, denke ich.
Vielleicht wäre auch die Frage angebracht, ob fruchtbare Freundschaften nur zu studiengangfremden Mitmenschen möglich sind? Zumindest fiele da die Möglichkeit einer Zweckfreundschaft weg und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass man aufgrund gemeinsamer Interessen zusammenfindet. Man sagt, wahre Freunde sind für einen da, wenn man sie braucht. Nun, das war ja der Fall - solange man einen gemeinsamen Weg gegangen ist; solange man sich öfter über den Weg gelaufen ist. Was eine Freundschaft wert ist, erfährt man aber wohl immer erst, wenn der gemeinsame Weg sich trennt.