Alles fing früh in meiner Kindheit an, wo sich nicht zuletzt im Sportunterricht mein zweifelhaftes Talent feststellen lies, kleinere Objekte mit meinem rechten Arm (genau genommen: ganzem Körper) zu beschleunigen. So kam es, dass ich beim Schlagballweitwurf in der 6. Klasse einen Schulrekord aufstellte und in der Turnhalle nicht mehr mitwerfen durfte, da ich an die gegenüberliegende Wand warf wo ich unschöne Spuren hinterließ. Nicht unerwähnt bleiben darf, dass zum Weitwerfen das rechtzeitige Loslassen gehört. Mein peinlichstes Erlebnis war, als mir der Ball bei einer Leistungskontrolle aus der Hand rutschte und 1 m HINTER mir zum liegen kam.
Viel angenehmer zu werfen als die Schlagbälle sind aber Steine. Scheibenförmig müssen sie sein oder oval und eben gut in der Hand liegen. Zum perfekten Steinweitwurf braucht man nur 3 Finger. Am wichtigsten ist hierbei der Zeigefinger, der den Stein von oben umschließt. Er gibt ihm beim Abwurf eine stabilisierende Flugbahn durch die Rotation und das Strecken des Zeigefingers beschleunigt den Stein zusätzlich. Hier liegt auch das Geheimnis der Wurfweite: möglichst viele Körperteile in den Wurf mit einbeziehen, um somit den Beschleunigungsweg zu verlängern. Braucht man die Füße zum weit Werfen? Ganz klar: ja! Die Knie auch? Na logo! Drei Schritte Anlauf braucht es schon, um den Körper ein- und zum Wurf wieder explosiv auszudrehen. Um es bildhaft zu illustrieren: sagen wir, eine Pistolenkugel verlässt den Lauf mit 1000 km/h. Stellen wir uns jetzt vor, der Schütze rennt in einem fahrenden Zug (200 km/h) in Fahrtrichtung (mit 20 km/h). Somit summieren sich die Geschwindigkeiten der Kugel auf 1220 km/h auf. Wieder aufs Werfen zurückgeführt kommt die meiste Kraft sicher durch den Arm. Der Arm besteht aber schon aus vielen kleinen Gelenken, die Weg verrichten und somit Geschwindigkeit bringen. Zeigefinger, Handgelenk, Ellbogen, Schulter. Dann dreht sich der Rumpf mit ein (und aus) und beschleunigt dadurch den gesamten Arm und die Beinarbeit macht das Übrige.
Das Resultat ist eine fließende Bewegung und ein für mich wahnsinnig schönes Gefühl, dem Stein hinterher zu schauen, wie er fliegt. Ich erinner mich, am Gardasee bei Sonnenuntergang Steine ins Wasser geworfen zu haben - ein Traum! Und ja, es ist mir durchaus bewusst, wie verrückt das gerade klingt aber wer schon mal mit mir zusammen Steine geworfen hat, wird mich ein klein wenig verstehen. :)
Bild: Sommer 2007 in Dresden an der Elbe.

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