Montag, 27. Dezember 2010

Weihnachten zuhause

Die Studentenbude ist eher spärlich eingerichtet, auch wenn ich mir Mühe gegeben habe, es mir gemütlich zu machen. Es ist eine WG, was bedeutet, dass es nicht wirklich meins ist - nicht mein Zuhause. Es ist eben für die Studienzeit eine Bleibe, in der ich halbwegs gern meine Zeit verbringe.
Weihnachten heißt es dann: "driving home for Christmas" und auch wenn Berlin für mich mit Heimat verbunden ist, sind es doch nicht nur die positiven Gefühle, die man damit verbinden sollte.
Als Kind war es so einfach und zentral. Die Eltern waren noch zusammen und mein Bruder war auch da. Jeder hatte sein Zimmer und das Wohnzimmer war festlich geschmückt. Alles war warm und vertraut - zuhause eben. Heut haben Mom und Dad neue Partner. Die vertraute Wohnung hat eine andere Handschrift und mein Zimmer ist ein unpersönliches Gästezimmer geworden. Weihnachten ist jetzt eher stressig und es sind mittlerweile 4-5 Stationen, die ich "abklappern" muss, um jeden der Familie besucht zu haben. Überall bin ich dann zu Gast und das so bekannte Weihnachtsgefühl mag nicht richtig aufkommen. Nach einer Weile wurde mir bewusst, was mir fehlt. Es war eben das Gefühl, zuhause zu sein. Da zu sein - angekommen eben. So wie ich es von damals kenne wird es in Berlin sicher nie mehr sein und es wird auch sicher noch einige Zeit dauern, bis ich ein eigenes Zuhause habe. An einem fremden Ort in einer fremden Stadt. Was macht eine Bleibe eigentlich zum Zuhause? Wenn es soweit ist, werde ich es wissen.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Womit man alle sozialen Prozesse erklären kann

Ja ja, als "alter Psychologe" und "oller BWLer" zerbricht man sich über ungewöhnliche Dinge den Kopf. Jetzt eben darüber, womit man sämtliche sozialen Prozesse erklären kann. Entlassungen in Firma X? Wahlbetrug? Tierschutz? Was liegt dem zugrunde?

Meine Antwort ist: die Interessen des einzelnen Akteurs.

Selbst wenn in einem riesigen Unternehmen 1000 Mitarbeiter entlassen werden, ist dies nicht die Entscheidung des Unternehmens. Das Unternehmen im Sinne von der Marke unter der man sie kennt, ist keine Person. Das Unternehmen trifft keine Entscheidungen, das tun einzelne Personen. Wenn Mitarbeiter entlassen werden dann geschieht dies, weil dies aus Interesse von Einzelpersonen herrührt. Manager X hat als Arbeitsauftrag, nach Einsparungsmöglichkeiten zu suchen. Es ist sein Interesse, dies zu tun und er will dies erfolgreich tun, weil sein Ansehen, seine Leistung an diesem Prozess gemessen wird. Seine individuellen Interessen im Unternehmen überschneiden sich teilweise mit denen des Manager Y, dessen Arbeitsauftrag die Gewinnmaximierung ist. Mehr Gewinn durch weniger Personalkosten klingt auch für ihn super! So arbeiten verschiedene Menschen zusammen in einem scheinbaren gemeinsamen Interesse. An für sich verfolgt aber jeder Akteur sein Einzelinteresse.
So funktioniert nach meiner momentanen Einsicht  die ganze soziale Welt. Gemeinschaftsinteressen sind Überschneidungen von egoistischen Einzelinteressen. Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht (ob nun monetärer oder sonstiger Natur) und arbeitet genau dann mit anderen zusammen, wenn es sich individuell lohnt.
Wird Angestellter B zu unliebsamer Gruppenarbeit gezwungen, mit Mitarbeiter A, dann macht er das nicht, weil er etwas für die Firma tun will, sondern für sich - er braucht das Geld.
Dies klingt alles sehr pessimistisch und vermittelt ein negatives Menschenbild. Wer kennt die Sprüche nicht: "Wir sind eine große Familie im Betrieb! Wir arbeiten alle zusammen!"?
Wer würde aber zur Arbeit gehen, wenn er dafür kein Geld kriegen würde? Das Eigeninteresse "Lebensunterhaltssicherung" wäre damit nicht erfüllbar und die Interessen der anderen egal.

Dienstag, 30. November 2010

Wann ist ein Freund ein Freund?

Der Wechsel des Studiengangs hatte bei mir tiefgreifende Veränderungen nach sich gezogen. Nüchtern betrachtet fand ein kompletter Austausch der Kommilitonen statt - aus ca 80 vertrauten Gesichtern wurden ca 80 unbekannte. Dass man sich im Alltag nun nicht mehr über den Weg läuft, war für mich kein Grund, Freundschaften (oder wie ich sie jetzt nenne: Bekanntschaften) einschlafen zu lassen. Über ein anfängliches Interesse, wie mein neuer Studiengang denn wäre und wie es mir dabei ginge, kam sonst nichts weiter in meine Richtung. Rückblickend stellt sich mir nun die Frage, ob der gemeinsame Studiengang wirklich die einzige Schnittmenge zu bisherigen Freunden war, wenn sich jetzt nach dem Wechsel keiner mehr so richtig meldet. Und ja, ich hab mich gemeldet - jedenfalls ist das meine Sicht der Dinge. Freundschaft sollte immer ein Geben und Nehmen sein, denke ich.
Vielleicht wäre auch die Frage angebracht, ob fruchtbare Freundschaften nur zu studiengangfremden Mitmenschen möglich sind? Zumindest fiele da die Möglichkeit einer Zweckfreundschaft weg und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass man aufgrund gemeinsamer Interessen zusammenfindet. Man sagt, wahre Freunde sind für einen da, wenn man sie braucht. Nun, das war ja der Fall - solange man einen gemeinsamen Weg gegangen ist; solange man sich öfter über den Weg gelaufen ist. Was eine Freundschaft wert ist, erfährt man aber wohl immer erst, wenn der gemeinsame Weg sich trennt.

Dienstag, 16. November 2010

frisch verliebt

Schon seit über zwei Wochen geht sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Jedes mal, wenn ich an ihr vorüberging, konnte ich meinen Blick nicht von ihr lassen. So ein fesselndes Augenziel, so zierlich und sanft und wunderschön! Ich musste sie einfach haben! Heute dann endlich fasste ich mir ein Herz und wurde aktiv. Ich ging in den Laden und sprach die Verkäuferin an: "Was kostet die blaue Lichterkette dort im Schaufenster? Die muss ich haben!!" Ich hatte mir fest vorgenommen, höchstens 15 Euro dafür zu bezahlen. Schön hin oder her, es ist und bleibt eine Lichterkette! Dann der Schock: "29.60 kostet sie." Die Verkäuferin telefonierte weiter und ich überlegte. Als sie fertig war und mich erwartungsvoll anschaute meinte ich: "Für 25 Euro nehme ich sie mit!" Sie schien überrascht und entgegnete lächelnd: "Sie wollen doch nicht etwa mit mir handeln?" Doch ohne wirklich eine Antwort auf die Frage abzuwarten zückte sie einen Katalog und einen Taschenrechner und kam zum Ergebnis, dass diese schwedische Designerlichterkette eigentlich über 32 Euro kosten solle aber sie wäre bereit, auf 26 Euro runter zu gehen. Ich willigte ein und freute mich doppelt. Das Objekt der Begierde erstanden und meine erste und zugleich erfolgreiche Preisverhandlung!
Morgen gehe ich zum Lamborghini-Autohaus.


Foto: Macht Robert Geburtstagsfreude: schöne blaue Lichterkette.

Sonntag, 7. November 2010

Nieselregen

Wie ein Junkie fühlte ich mich, als ich 6:56 vor der Apotheke stand und auf Einlass wartete. Die Kopfschmerzen vom Vortag waren über Nacht stärker geworden und haben ab etwa 4 Uhr morgens einen erholsamen Schlaf unmöglich gemacht. Nachdem ich endlich die gewohnte Dosis käuflich erworben hatte, verließ ich den Drugstore Richtung Macces. Ich hatte  bisher noch keine Gelegenheit, das Frühstücksangebot zu testen und falls doch, war es zu lange her, dass ich mich dran erinnern konnte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht bestellte ich ironischerweise ein Goodmorning Sandwich mit Käse und Bacon und einen Cappuccino. Bevor ich aber in das herzhafte Sandwich biss, warf ich mir zwei Tabletten ein. Die Schmerzen sollten endlich aufhören, egal wie. Erleichterung trat ein und ich widmete mich meinem Frühstück. Mit gefülltem Magen und von einer übelschmeckenden Flüssigkeit verbrannten Zunge trottete ich dann nach Hause. Es dämmerte und die dunkle Nacht verwandelte sich langsam in einen dunkelgrauen Morgen. Leichter Regen fiel, kaum spürbar und trotz der Witterung und frühen Tageszeit herrschte reges Treiben in der Stadtmitte. Je näher ich meiner Wohnung kam, desto ruhiger wurde es um mich herum. Schmerzfrei hole ich mir jetzt das, was ich brauche - ein paar Stunden erholsamen Schlaf.

Freitag, 29. Oktober 2010

mein süßer Hund

Eines Tages, ich ging spazieren, fand ich einen kleinen Hund. Er schaute mich mit großen Kulleraugen an und hüpfte freudig erregt hin und her. Ich streichelte und kraulte ihn und er fand gefallen daran, woraufhin er nicht mehr von meiner Seite wich. Schnell gewöhnte ich mich an seine Anwesenheit, die mir gut tat. Er machte mich sehr glücklich und ich wollte ihn nicht mehr verlieren. Also schloss ich zuhause die Türe zu. Der Hund aber wurde unglücklich und fühlte sich eingesperrt, kratzte an der Tür und wollte raus. Ich wusste nicht, warum er von mir weg wollte aber schließlich öffnete ich die Tür und er rannte raus in die Nacht. Viele Tage vergingen und ich vermisste ihn immer mehr. Eines Tages sah ich ihn beim spazieren gehen wieder. Er schaute mich mit großen Kulleraugen an und hüpfte freudig erregt hin und her. Erneut streichelte und kraulte ich ihn, woraufhin er nicht mehr von meiner Seite wich. Er machte mich sehr glücklich und ich wollte ihn nicht mehr verlieren und so lies zuhause die Türe offen.

Samstag, 16. Oktober 2010

Fernbeziehung auf Chinesisch

Viele Millionen Menschen in China verdienen ihr Geld als Wanderarbeiter. Weil es auf dem Land kaum Arbeit gibt, pilgern sie in die Großstädte und arbeiten beispielsweise in Textilfabriken. T-Shirts, die dort produziert werden, kann man hier bei uns für 29,95 Euro kaufen. Nichts ungewöhnliches, oder? Der Wanderarbeiter verdient aber nur etwa 77 Euro im Monat! Aufgrund des Überangebots an Arbeitskräften können die Löhne so niedrig gedrückt werden. Wenn man die Wahl zwischen 77 und Null Euro hat, Fällt die Wahl nicht schwer. Für mich unglaublich schockierend sind aber die zwischenmenschlichen Verhältnisse. So wohnen die Arbeiter und Arbeiterinnen auf dem Fabrikgelände in einer Art Jugendherberge. Zu sechst oder noch mehr in einem Zimmer. Ohne Privatsphäre, ohne sonstige Annehmlichkeiten. Ihre Partner sehen sie für eine Woche im Jahr. Falls du selbst grade eine Fernbeziehung führst und deinen Schatz nur alle ein bis zwei Wochen siehst, denk an dieses Beispiel.

Freitag, 15. Oktober 2010

Respekt vor lesbischen Beziehungen

Welcher Mann kennt das nicht? Man ist glücklich mit seiner tollen Freundin und um Harmonie bestrebt. Wenn es schön ist, solls doch so bleiben, oder?! FALSCH! Die Frau kann Harmonie auf Dauer nämlich nicht ertragen, sie ist nur glücklich, wenn es ab und an Reibereien und Stress gibt. Wenn es keinen Grund dazu gibt, sie findet ganz sicher einen! "Manchmal wollen wir einfach streiten!" habe ich mir sagen lassen. Eine andere Frau erklärte mir: "Ich wusste, dass er der Richtige ist, weil ich mich mit ihm so toll streiten konnte!"

Ein sicheres Anzeichen dafür, dass Frauen streiten wollen ist, dass sie aus heiterem Himmel rumzicken. Und wehe dem, der Mann versucht zu schlichten! Nein, er soll gefälligst mitstreiten! Wenn er schlichten will, wird sie noch richtig sauer und wirft ihm vor: "Du verstehst mich nicht!!" Und dann gibts 2 Wochen keinen Sex, der Mann versteht die Welt nicht mehr. Frauen haben übrigens wirklich einen Ich-will-keinen-Sex-Schalter im Kopf, den sie ohne Probleme für Wochen umlegen können!

Viel zu verstehen gibts bei Frauen ja auch nicht. Nur eben, dass sie mit einer brodelnden Flüssigkeit aus Hormonen gefüllt sind, die ab und an, wie ein Geysir, ausbricht und das nichtsahnende Umfeld verbrennt.

Frauen haben es einfach mit Männern. Diese sind ihrer Unlogik oft hilflos ausgeliefert und schon nach ein paar Wochen Beziehung ist aus einem selbstbewussten und starken Macho oftmals ein Weichei geworden - weil er denkt, er muss es ihr Recht machen, damit es wieder harmonisch wird (und es im Bett wieder läuft). Wie wir wissen, ist das Unsinn.

Wie halten aber nun zwei Frauen miteinander eine Beziehung, wenn beide Partner chaotisch-hysterische Hormonpulverfässer sind? Geht das überhaupt??
Ich hab jedenfalls großen Respekt davor, wenn zwei Frauen es schaffen, dauerhaft eine glückliche Beziehung zu führen.

                   http://www.hem-of-his-garment-bible-study.org/images/Silhouette-women-arguing.jpg

Foto: Zicken gern, aus Überzeugung: Frauen.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Eine Tasse Schokocappuccino

Morgen geht's nun los, das neue Semester. War ja erst nicht sicher, ob ich überhaupt weiterstudieren darf, nach der überraschenden Ablehnung für den zuvor versprochenen Masterplatz in Psychologie. Motiviert bin ich und fokussiert auf die Inhalte des Studiums. Ich glaub' zu wissen, worauf es jetzt ankommt und welche Kurse und Projekte ich besuchen will. Ob das von den formellen Regelungen alles so klappt, ist nicht sicher - erfahre ich morgen in der Fragestunde bei Frau Götzlein*. Vielleicht komme ich auch in den Wirtschaftsmaster "Management and Organisation Studies" rein? Ist aber nicht sicher, da die Bewerbung dafür beim Prüfungsausschuss Staub ansetzt. Ja und Bafög hab' ich auch wieder beantragt. Ist aber nicht sicher, ob ich welches bekomme. Auch das wird grade geprüft. Wie zahle ich eigentlich meine Miete, falls das nicht klappt? Anscheinend gehört es zu den must haves, mit Unsicherheit in Bezug auf die Zukunft zurecht zu kommen. Sollte man gar nicht planen? Nein, denn dann landet man nur bei Hartz4. Aber wer plant, kann enttäuscht werden. Was tun?? Planung ist schon notwendig und richtig, nur ist es wichtig, jederzeit Alternativen zu haben - vielleicht auch im privaten Leben, wo die Enttäuschungen am schwersten treffen. Es ist aber nicht sicher, ob ausreichend Alternativen ein am Ende glücklicheres Leben bieten. In diesem Sinne widme ich mich meiner Tasse mit heißem Schokocappuccino - einer sicheren Anlage für eine kleine tägliche Portion Wohlgefühl. Und was wird morgen? Da weiß mein guter Freund Jesus bescheid: Er sagt: "Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat." Nun, dann will ich ihm mal Glauben schenken.

* Name aus Datenschutzgründen geändert

Freitag, 8. Oktober 2010

Organreklamation und Stellungnahme

Sehr geehrter Erbauer,

es gibt da eine Sache, die ich nicht länger tolerieren kann. Immer wieder geht es kaputt, zerbricht in 1000 Teile. Dann kann ich alltäglichen Dingen nicht nachgehen und vernachlässige mein Umfeld. Auch vermisse ich nach dieser vollständigen Zerstörung meine Lebensfreude. Meinst du, werter Erbauer, es wäre möglich, dieses Organ zu modifizieren? Vielleicht ein App, was den schmerzlichen Kontakt mit dem anderen Geschlecht mildern oder gar ausblenden kann. Ich finde, da musst du auch mal mit der Zeit gehen! Jedenfalls brauche ich dringend ein neues Herz. Das alte ist zur Zeit völlig unbrauchbar und schmerzt unentwegt. 

Mit freundlichen Grüßen
el bucketo

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Sei gegrüßt mein Kind.
Das Herz, wie ich es geschaffen habe, ist perfekt und makellos. Es vermag höchstes Glück und tiefstes Leid zu vermitteln. Manchmal liegt beides sogar sehr nah beieinander. Manchmal trennen diese unendlich weit entfernten Pole nur ein einziger Satz, wie "Ich glaub, ich wäre lieber allein." Das Leben, was ich euch gegeben habe, mein Kind, enthält Himmel und Hölle. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. So Schuf ich Glückseligkeit und Leid, Sonnenschein und Regen. Und ich habe Bier geschaffen, versuch es damit!

Mit freundlichen Grüßen
der Erbauer