Der Wechsel des Studiengangs hatte bei mir tiefgreifende Veränderungen nach sich gezogen. Nüchtern betrachtet fand ein kompletter Austausch der Kommilitonen statt - aus ca 80 vertrauten Gesichtern wurden ca 80 unbekannte. Dass man sich im Alltag nun nicht mehr über den Weg läuft, war für mich kein Grund, Freundschaften (oder wie ich sie jetzt nenne: Bekanntschaften) einschlafen zu lassen. Über ein anfängliches Interesse, wie mein neuer Studiengang denn wäre und wie es mir dabei ginge, kam sonst nichts weiter in meine Richtung. Rückblickend stellt sich mir nun die Frage, ob der gemeinsame Studiengang wirklich die einzige Schnittmenge zu bisherigen Freunden war, wenn sich jetzt nach dem Wechsel keiner mehr so richtig meldet. Und ja, ich hab mich gemeldet - jedenfalls ist das meine Sicht der Dinge. Freundschaft sollte immer ein Geben und Nehmen sein, denke ich.
Vielleicht wäre auch die Frage angebracht, ob fruchtbare Freundschaften nur zu studiengangfremden Mitmenschen möglich sind? Zumindest fiele da die Möglichkeit einer Zweckfreundschaft weg und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass man aufgrund gemeinsamer Interessen zusammenfindet. Man sagt, wahre Freunde sind für einen da, wenn man sie braucht. Nun, das war ja der Fall - solange man einen gemeinsamen Weg gegangen ist; solange man sich öfter über den Weg gelaufen ist. Was eine Freundschaft wert ist, erfährt man aber wohl immer erst, wenn der gemeinsame Weg sich trennt.
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