Donnerstag, 9. Dezember 2010

Womit man alle sozialen Prozesse erklären kann

Ja ja, als "alter Psychologe" und "oller BWLer" zerbricht man sich über ungewöhnliche Dinge den Kopf. Jetzt eben darüber, womit man sämtliche sozialen Prozesse erklären kann. Entlassungen in Firma X? Wahlbetrug? Tierschutz? Was liegt dem zugrunde?

Meine Antwort ist: die Interessen des einzelnen Akteurs.

Selbst wenn in einem riesigen Unternehmen 1000 Mitarbeiter entlassen werden, ist dies nicht die Entscheidung des Unternehmens. Das Unternehmen im Sinne von der Marke unter der man sie kennt, ist keine Person. Das Unternehmen trifft keine Entscheidungen, das tun einzelne Personen. Wenn Mitarbeiter entlassen werden dann geschieht dies, weil dies aus Interesse von Einzelpersonen herrührt. Manager X hat als Arbeitsauftrag, nach Einsparungsmöglichkeiten zu suchen. Es ist sein Interesse, dies zu tun und er will dies erfolgreich tun, weil sein Ansehen, seine Leistung an diesem Prozess gemessen wird. Seine individuellen Interessen im Unternehmen überschneiden sich teilweise mit denen des Manager Y, dessen Arbeitsauftrag die Gewinnmaximierung ist. Mehr Gewinn durch weniger Personalkosten klingt auch für ihn super! So arbeiten verschiedene Menschen zusammen in einem scheinbaren gemeinsamen Interesse. An für sich verfolgt aber jeder Akteur sein Einzelinteresse.
So funktioniert nach meiner momentanen Einsicht  die ganze soziale Welt. Gemeinschaftsinteressen sind Überschneidungen von egoistischen Einzelinteressen. Jeder ist auf seinen Vorteil bedacht (ob nun monetärer oder sonstiger Natur) und arbeitet genau dann mit anderen zusammen, wenn es sich individuell lohnt.
Wird Angestellter B zu unliebsamer Gruppenarbeit gezwungen, mit Mitarbeiter A, dann macht er das nicht, weil er etwas für die Firma tun will, sondern für sich - er braucht das Geld.
Dies klingt alles sehr pessimistisch und vermittelt ein negatives Menschenbild. Wer kennt die Sprüche nicht: "Wir sind eine große Familie im Betrieb! Wir arbeiten alle zusammen!"?
Wer würde aber zur Arbeit gehen, wenn er dafür kein Geld kriegen würde? Das Eigeninteresse "Lebensunterhaltssicherung" wäre damit nicht erfüllbar und die Interessen der anderen egal.

1 Kommentar: